Erscheint in Kürze.

Ein Kind ist bei seiner Geburt gestorben. Vier Jahre später, im August 2012 steht seine Geburtshelferin vor Gericht: Angeklagt wegen Totschlags.

An fast allen der 59 Verhandlungstage sitze ich im Gerichtssaal und beobachte das Schwurgerichtsverfahren gegen die Kollegin. In einer Hebammenfachzeitschrift berichte ich fortlaufend detailliert über den mehr als zwei Jahre langen Prozess.

Was sich dort im Gerichtssaal abspielt, ist eine Tragödie aus dem Leben, die mich mit all ihren Facetten in den Bann zieht: dem emotionalen Gehalt, den Schicksalen der betroffenen Menschen, die dort in der Öffentlichkeit viel Intimes preisgeben müssen, den fachlichen wie den gesellschaftlichen Fragen.

Die Ärztin und Hebamme wird im Oktober 2014 wegen Totschlags zu einer 6 1/2-jährigen Gefängnisstrafe und lebenslangen Berufsverboten verurteilt, obwohl bei der Todesursache des Kindes viele Fragen offen geblieben sind. Nach viereinhalb Jahren Haft wird sie auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen. Nichts ist wie vorher.

Ein bis dahin einmaliges Urteil bei einem unglücklichen Ausgang einer Geburt.