Eine dokumentarische Erzählung aus zehn Jahren von Katja Baumgarten

Greta wird leblos geboren und stirbt. Ihre Geburtshelferin steht vier Jahre später wegen Totschlags vor Gericht. Das Urteil: Schuldig. Berufsverbot, Gefängnisstrafe, Schadensersatz. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis ist nichts mehr wie vorher. [ mehr ]

Kamera: Gisela Tuchtenhagen, Katja Baumgarten; 
Gerichtszeichnungen: Nikolaus Baumgarten; Montage: Christian Iseli;
Deutschland 2023, 96 Minuten.
Uraufführung DOK.fest München 5. Mai 2023.

Preis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm
Viktor DOK.deutsch


Nächste Vorführung: 

TÜBINGEN

FrauenFilmTage Tübingen
Sonntag, 3. März 2024, 17:00h

Deutsch-Amerikanisches Institut
Karlstraße 3, Tübingen

Anschließend Filmgespräch mit Katja Baumgarten, sowie um 
19:00h: Gesprächsrunde mit Tübinger Hebammen zum Thema ‚Geburtshaus und Hausgeburtshilfe – Quo Vadis?‘

> Weitere Vorführungen und Veranstaltungen


Preisträgerin am DOK.fest München:

Preisverleihung Viktor DOK.deutsch 2023, v.l.n.r: Marietta Gottfried (Sky), Katja Baumgarten, Adele Kohout (stellvertretende Leiterin DOK.fest München). Bild: DOK.fest © 2023

Aus der Jurybegründung:
„Aus einer unprätentiösen, feministisch solidarischen Haltung heraus erzählt Katja Baumgarten die Biografie einer fortschrittlichen Hebamme und Ärztin, deren Leben durch das Gerichtsverfahren zum Albtraum wird. Wir werden Zeug*innen eines tendenziösen und bis dahin einmaligen Urteils, das nicht nur eine ganze Existenz vernichtet, sondern langjährigen Bestrebungen Vorschub leistet, die Arbeit freier Hebammen in die Schranken zu weisen. Mit GRETAS GEBURT gelingt der Filmemacherin ein essentieller Beitrag zu diesem hoch sensiblen Thema, der die gesellschaftliche Relevanz dokumentarischer Filmarbeit eindrucksvoll unter Beweis stellt.“

Vollständige Laudatio als PDF (engl.)
Die Preisträger auf der DOK.fest Webseite

Ina Borrmann im Gespräch mit Katja Baumgarten I DOK.fest © 2023

Eine Geburtshelferin wird verurteilt.

Ein Albtraum ist Wirklichkeit geworden: Ein Mädchen kommt leblos zur Welt. Seine Geburtshelferin beginnt, es wiederzubeleben. Später übernimmt ein Notarzt. Das kleine Mädchen stirbt. Seine Eltern nennen es Greta. 

Vier Jahre später steht seine Geburtshelferin vor Gericht – sie ist Ärztin, gleichzeitig Hebamme. Greta hatte im Bauch ihrer Mutter anders herum gelegen als üblich. Warum war Greta gestorben? Ein Fehler ihrer Geburtshelferin? Hatte sie Gretas Tod vorsätzlich in Kauf genommen? Das Urteil: „Schuldig des Totschlags“. Sechs Jahre und neun Monate Gefängnisstrafe, Berufsverbote, Schadensersatzzahlungen. Fragen bleiben offen. 

Ein bis dahin einmaliges Urteil nach dem unglücklichen Ausgang einer Geburt. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis ist nichts mehr wie vorher für die ehemalige Ärztin und Hebamme, inzwischen Ende 60. Sie fühlt sich dem deutschen Rechtssystem nicht mehr zugehörig. 

Eigentlich wollte ich nur zum ersten Verhandlungstag kommen, dann wieder zur Urteilsverkündung. Was ich im Gerichtssaal erlebe, zieht mich in den Bann: Die Stimmung ist emotional aufgeladen, gleichzeitig geht es um fachliche Details, die nur Spezialisten erfassen. Vorstellungen und Deutungen entstehen in der Rekonstruktion von Gretas Geburt. Auch gesellschaftliche Fragen werden verhandelt. 

Ich selbst habe als Hebamme viele Geburten betreut, heute Redakteurin einer Hebammenfachzeitschrift. Spontan dokumentiere ich den Prozess, irgendwann auch Dreharbeiten.

Katja Baumgarten


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Gefördert mit Mitteln der nordmedia Film- und Mediengesellschaft
Niedersachsen/Bremen mbH.

Gefördert vom Filmbüro Bremen.
Bremer Dokumentarfilm Förderpreis 2014

Eine Produktion von
viktoria11.de | Dokumentarfilm
Katja Baumgarten